UBS

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Dieser Artikel beschreibt die Schweizer Grossbank UBS. Für weitere Bedeutungen von UBS siehe UBS (Begriffsklärung).
  UBS AG
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Staat Schweiz
Sitz Zürich und Basel
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0024899483
BC-Nummer 230[1]
BIC UBSWCHZH80A[1]
Gründung 29. Juni 1998 (Fusion)
Website www.ubs.com
Geschäftsdaten 2011[2]
Bilanzsumme 1'419'162 Mio. CHF
Mitarbeiter 64'820
Leitung

Unternehmensleitung

Sergio P. Ermotti
(CEO)
Axel Weber
(VR-Präsident)

Die UBS AG ist eine Schweizer Grossbank mit Hauptsitzen in Zürich und Basel. Sie zählt zu den weltweit grössten Vermögensverwaltern.

Ursprünglich war der Name das Akronym aus französisch Union de Banques Suisses bzw. italienisch Unione di Banche Svizzere, später dann auch englisch Union Bank of Switzerland.[3] Heute steht UBS offiziell als Eigenname ohne weitere Bedeutung (siehe auch im Abschnitt Geschichte).

Die Bank ist eine der 28 Grossbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „systemically important financial institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft wurden.[4] Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital.[5]

Konzernüberblick

Die UBS AG entstand im Juni 1998 aus der Fusion der beiden Schweizer Grossbanken:

  • Schweizerische Bankgesellschaft (Union de Banques Suisses) mit Hauptsitz in Zürich (SBG/UBS)[6]
  • Schweizerischer Bankverein mit Hauptsitz in Basel (SBV)[7]

Die UBS ist in über 50 Ländern und an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Niederlassungen vertreten. Am 31. Dezember 2011 beschäftigte der Konzern weltweit 64'820 Mitarbeiter, davon etwa 35% in Nord- und Lateinamerika, 36% in der Schweiz, 17% im übrigen Europa und 12% im asiatisch-pazifischen Raum. Ende 2007 verwaltete die UBS 3‘189 Milliarden Franken Kundengelder und war damit die grösste Vermögensverwalterin der Welt.[8] Sie ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht. Ihre Aktien sind an der SIX Swiss Exchange und an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet.

Der Konzern ist in fünf Bereiche eingeteilt: Wealth Management & Swiss Bank, Wealth Management Americas, Investment Bank, Global Asset Management und Corporate Center.

Konzernleitung und Verwaltungsrat

Konzernleiter (CEO) ist Sergio P. Ermotti, er folgte auf Oswald Grübel. Verwaltungsratspräsident ist seit Mai 2012 Axel Weber, er löste Kaspar Villiger ab. Ehrenpräsident ist seit 1996 Nikolaus Senn.

Ausbildung

Die UBS AG bietet jährlich über 300 Plätze für Lehrlinge und Praktikanten in der gesamten Schweiz an. Nach Möglichkeit werden sämtliche Auszubildenden von der UBS AG nach der Ausbildung übernommen. Daneben bestehen weltweit Talentförderungsprogramme für die besten Lehrabsolventen sowie für Hochschulabgänger.

Wichtigste Geschäftsbereiche

Wealth Management

Mit einem Netz von zirka 180 Geschäftsstellen weltweit verwaltet die UBS eine Summe von mehr als 3,27 Billionen Franken (2,18 Billionen €).

Investment Banking und Wertschriftengeschäft

Die UBS gehört zu den weltweit grössten Investmentbanken und nimmt im Geschäft mit institutionellen und Firmenkunden eine führende Stellung ein.

Global Asset Management

Die UBS ist ein führender Vermögensverwalter für institutionelle und private Kunden sowie Finanzintermediäre auf der ganzen Welt.

Privat- und Firmenkundengeschäft Schweiz

Im Schweizer Bankgeschäft beträgt der Marktanteil von UBS je nach Kundensegment zwischen einem Viertel und einem Drittel. Die UBS stellt Bank- und Wertschriftendienstleistungen für zirka 2,6 Millionen Privat- sowie rund 143'000 Firmenkunden bereit. Die Kundenbasis umfasst institutionelle Anleger, öffentliche Körperschaften und Stiftungen mit Sitz in der Schweiz sowie 3000 Finanzinstitute weltweit.

Geschichte

Die heutige UBS entstand 1998 aus der Fusion der 1912 gegründeten Schweizerischen Bankgesellschaft SBG (die zuvor schon auf französisch und italienisch mit UBS abgekürzt wurde) aus Zürich, von der 1997 das Kürzel übernommen wurde, mit dem 1854 gegründeten Schweizerischen Bankverein SBV aus Basel, von dem das Schlüssellogo übernommen wurde.

Schweizerische Bankgesellschaft (SBG), 1912–1997

Gebäude der Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. als Filiale der UBS in Offenbach

1912 schlossen sich die 1862 gegründete Bank in Winterthur und die Toggenburger Bank, die 1863 gegründet wurde, zur Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG; Union de Banques Suisses, Unione di Banche Svizzere, Union Bank of Switzerland) zusammen. 1945 wurde der Hauptsitz nach Zürich verlegt und die in Turbulenzen geratene Eidgenössische Bank wurde übernommen. 1967 fusionierte die SBG mit der Interhandel, einer ehemaligen Tarnfirma der I.G. Farben, wodurch sie zur damals grössten Schweizer Bank wurde.[9] Ausserdem eröffnete sie ihre erste ausländische Niederlassung in London. 1975 gründete die SBG eine Niederlassung in New York. In den weiteren Jahren übernahm sie mehrere andere Banken, wie zum Beispiel 1996 die Ersparniskasse Langenthal (EKL), die Appenzell-Ausserrhodische Kantonalbank oder die Hamburger Bank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. im Jahr 1997. Am 30. Juli 1997 wurde die SBG in UBS umbenannt.

Schweizerischer Bankverein (SBV), 1854–1998

1854 wurde in Basel unter dem Namen Basler Bankierverein ein Konsortium aus sechs Privatbanken gebildet. 1871 wurde unter dem Namen Basler Bankverein in Frankfurt durch das Konsortium mit dem Frankfurter Bankverein eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Basel gegründet. 1872 öffnete der erste Schalter des Basler Bankvereins seine Tore.

1896 fusionierten der Zürcher Bankverein in Zürich mit dem Basler Bankverein. Der neue Basler und Zürcher Bankverein fusionierte im gleichen Jahr mit der Schweizerischen Unionbank in St. Gallen. Nach der Übernahme der Basler Depositenbank wurde der Name in Schweizerischer Bankverein umgewandelt. 1898 wurde die erste Auslandsniederlassung in London eröffnet.

1906 wurde die Banque d’Espine, Fatio & Cie in Genf übernommen, 1908 die Fratelli Pasquali in Chiasso. In den folgenden Jahren wurden weitere Banken wie die Bank für Appenzell A.Rh. in Herisau und 1912 die Banque d’Escompte et de Dépots in Lausanne und Aigle übernommen.

1917 änderte die Bank ihre Namen, mit Ausnahme des Deutschen, in Société de Banque Suisse (SBS) (bis dahin Bankverein Suisse), Società di Banca Svizzera (SBS) und Swiss Bank Corporation (SBC) (Swiss Bankverein). 1918 lag die Bilanzsumme erstmals über einer Milliarde CHF.

1936 gründete der Bankverein die Goldraffinerie Métaux Précieux S.A. in Le Locle.[10] 1937 führt der Bankverein sein neues Logo mit den drei Schlüsseln ein, die Vertrauen, Sicherheit und Verschwiegenheit symbolisieren. 1939 wurde in New York die erste Niederlassung in Amerika eröffnet. 1945 übernahm der Bankverein die zu den Schweizer Grossbanken zählende Basler Handelsbank, die am Ende des Zweiten Weltkriegs zahlungsunfähig geworden war. 1950 verfügte der Bankverein über 31 Niederlassungen in der Schweiz und 3 im Ausland. In den nächsten Jahren folgen weitere Niederlassungen in (Kanada, Südamerika und Europa).

1964 verlegten zwei Geschäftsleitungsmitglieder das erste Mal ihren Arbeitsplatz nach Zürich, der juristische Sitz blieb aber weiterhin Basel. Bis 1969 waren alle fünf Kontinente durch den Bankverein erschlossen (1966 Asien mit Tokyo und 1969 Australien in Sydney).

1972 wurde mit der Ständerätin Lise Girardin die erste Frau in den Verwaltungsrat gewählt.

Am 4. Februar 1998 stimmten die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung in Basel der Fusion mit der UBS zu. Am 15. April wurde die 126. (und letzte) ordentliche Generalversammlung des Schweizerischen Bankvereins in Basel abgehalten. Über das Wochenende des 27./28. Juni 1998 wurde die Fusion mit der UBS rechtlich vollzogen.

Entstehung der UBS AG (1997/98) und Entwicklung bis 2007

Am 8. Dezember 1997 wurde die Fusion zwischen der SBG/UBS und dem Schweizerischen Bankverein angekündigt, die am 27./28. Juni 1998 rechtlich vollzogen wurde.[11] Vom Bankverein wurde dabei das Logo mit den drei Schlüsseln und von der SBG (Union de Banques Suisses) das französische Akronym „UBS“ übernommen. Der Projekttitel der Fusion hiess ursprünglich „United Bank of Switzerland“, welches somit das gleiche Akronym ergab. Aus markenrechtlichen Gründen wurde der Projekttitel nie zum offiziellen Name der Bank. UBS ist daher keine Abkürzung, sondern ein Eigenname ohne weitere Bedeutung.[12]

1999 wurde der auf das Portfoliomanagement für private und institutionelle Kunden sowie das Anlagefondsgeschäft spezialisierte Asset-Manager GAM übernommen. Im Jahr 2000 wurde der US-amerikanische Vermögensverwalter PaineWebber Inc. übernommen. Im Mai 2003 übernahm UBS die französische Vermögensverwaltungsgeschäft von der Lloyds TSB. Im September des gleichen Jahres kaufte sie das Prime-Brokerage-Geschäft von ABN AMRO. 2004 erwarb UBS die Capital Markets Division der Charles Schwab Corporation, sowie das Vermögensverwaltungsgeschäft von Julius Bär in Nordamerika und das Vermögensverwaltungsgeschäft der Dresdner Bank in Lateinamerika. Weiter erwarb UBS 2004 mit der Sauerborn Trust AG das grösste Multi Family Office in Deutschland.[13]

2005 übernahm die UBS den Immobilienarm der Siemens Kapitalanlagegesellschaft mbH und führte sie als UBS Real Estate Kapitalanlagegesellschaft mbH fort. Im September 2005 schloss die UBS einen Zusammenarbeitsvertrag mit der Bank of China. Im Dezember 2005 verkaufte die UBS ihre drei unabhängigen Privatbanken, Ehinger & Armand von Ernst, Banco di Lugano und Ferrier Lullin sowie GAM an die Julius Bär Holding. Im April 2006 gab UBS die Übernahme des Privatkundengeschäft der Piper Jaffray Companies und im Mai die Übernahme der brasilianischen Investment-Bank Banco Pactual S.A. bekannt und übernahm die globale Future- und Optionsgeschäft von ABN AMRO. Im September 2006 erwarb UBS das Geschäftsstellennetz von McDonald-Investments. 2008 hat UBS die Beteiligung an der Bank of China im Umfang von rund 3,4 Milliarden «Limited H-Shares» an institutionelle Anleger verkauft.

Beginn der Subprime-Krise (2007–2008)

In Folge der durch die «Subprime-Krise» erlittenen Verluste musste UBS am 10. Dezember 2007 zusätzliche Abschreibungen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar vornehmen. Um ihre Kapitalbasis zu stärken, kündigte die UBS gleichzeitig eine Kapitalerhöhung im Umfang von 13 Milliarden Franken in Form einer Privatplatzierung zweier Investoren an. 11 Milliarden Franken entfallen auf die Government of Singapore Investment Corporation Pte Ltd. (GIC), dem Staatsfonds von Singapur, und weitere zwei Milliarden Franken auf einen Investor aus dem Nahen Osten.[14]

In der ausserordentlichen Generalversammlung am 27. Februar 2008 stimmten die Aktionäre der geplanten Kapitalerhöhung mit klarer Mehrheit zu. Eine von der Anlagestiftung Ethos beantragte Sonderprüfung wurde hingegen nur knapp abgelehnt.[15][16]

Am 1. April 2008 gab die UBS in einer Medienmitteilung bekannt, dass sie für das 1. Quartal 2008 einen Reinverlust von ungefähr zwölf Milliarden Franken Abschreibungen in Höhe von ungefähr 19 Milliarden US-Dollar auf Positionen im US-Immobilienmarkt und damit zusammenhängenden strukturierten Krediten erwartet.[17] Damit erhöht sich die Gesamtsumme der bisherigen Abschreibungen auf CHF 40 Milliarden. In einer gleichentags veröffentlichten Medienmitteilung gab die UBS zudem bekannt, dass der bisherige VR-Präsident Marcel Ospel nicht mehr zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat zur Verfügung steht. Der Verwaltungsrat der UBS gab darin auch bekannt, dass er der Generalversammlung vom 23. April 2008 die Wahl von Peter Kurer in den Verwaltungsrat beantragt. Dieser soll die Nachfolge von Marcel Ospel als Präsident übernehmen.[18] Wie anlässlich der Veröffentlichung des Berichts «Finanzmarktkrise und Finanzmarktaufsicht» durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht am 14. September 2009 bekannt wurde, erfolgte der Rücktritt von Marcel Ospel auf den damaligen Generalversammlungstermin auf Veranlassung der Eidgenössischen Bankenkommission.[19]

Nachdem mehrere Banken in Europa und den USA staatliche Finanzhilfe erhielten, griffen die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Schweizerische Nationalbank der UBS mit zwei Finanzspritzen unter die Arme, um gravierende, lang andauernde volkswirtschaftliche Konsequenzen eines drohenden Konkurses abzuwenden. Am 16. Oktober 2008 sprachen der Bund und die Nationalbank der UBS bis zu 60 Milliarden US-Dollar zu: Davon sollten 54 Milliarden US-Dollar von der Nationalbank in eine Zweckgesellschaft zum Erwerb von problembehafteten Wertpapieren der UBS fliessen[20]. Die Schweizerische Eidgenossenschaft selbst stellte der angeschlagenen UBS 6 Milliarden Franken in Form einer Pflichtwandelanleihe zur Verfügung [21][22]. Die Höhe der von der UBS in die Zweckgesellschaft zu transferierenden Aktiven wurde im Februar 2009 auf knapp 40 Milliarden US-Dollar (39,1 Milliarden US-Dollar) reduziert, wovon maximal 35 Milliarden US-Dollar von der SNB getragen wurden[23]. Die Verwaltung dieser Aktiven wird von der UBS gegen Entschädigung durchgeführt.[24]

Für das Geschäftsjahr 2008 vermeldete die UBS einen Reinverlust von 19,7 Milliarden Franken, wobei über acht Milliarden Verlust im vierten Quartal angefallen sind. Im vierten Quartal hatte die UBS ihre Risikopositionen verringert und Kosten abgebaut, es waren jedoch über 80 Milliarden an Kundengeldern abgeflossen. Aufgrund eines positiven Nettozufluss an Neugeldern im Januar sowohl im Wealth Management als auch im Asset Management sprach die UBS in einer Medienmitteilung von einem ermutigenden Start ins Jahr 2009, obwohl die Bank die Lage an den Finanzmärkten weiterhin als instabil bezeichnet.

Rechtliche Auseinandersetzungen mit den USA (2008/2009)

Im Juni 2008 wurde öffentlich bekannt, dass das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC gegen die UBS ermitteln. Der Vorwurf lautet auf regelmässige Beihilfe der UBS für zehntausende US-Staatsbürger zur Steuerhinterziehung in den Jahren 2000 bis 2007. Die UBS selbst bestätigte, dass Raoul Weil, Mitglied der UBS-Konzernleitung, vom Department of Justice in Florida angeklagt wurde. Aufgrund der strafrechtlichen Ermittlungen bietet die UBS seitdem keine grenzüberschreitenden Dienstleistungen mehr für die in den USA ansässigen Kunden im Private-Banking-Bereich.[25]

Die USA beantragten im Sommer 2008 ein Amtshilfeverfahren in der Schweiz zur Herausgabe der Daten der betroffenen Bankkunden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (EStV) prüfte seither, ob die Preisgabe vertraulicher Bankdaten mit dem zwischen der Schweiz und den USA geltenden Doppelbesteuerungsabkommen vereinbar ist.[26] Laut den in der Schweiz geltenden Regeln dürfen Banken Kundendaten nur weitergeben, wenn gegen konkrete Personen strafrechtlich relevante Vorwürfe erhoben werden.[27] Die Nichtangabe von Vermögens- und Einkommenswerten gilt in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Staaten jedoch nicht als Steuerbetrug, sondern als Steuerhinterziehung und ist somit nur eine Gesetzesübertretung und kein strafrechtlich relevanter Vorwurf. Diese Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug sorgt im Ausland häufig für Unverständnis.

Erste Untersuchungsergebnisse der EStV bezüglich der Preisgabe von den USA geforderten Kundendaten wurden nach Angaben der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) für März oder April 2009 erwartet.[26] Dies dauerte den US-Behörden jedoch zu lange und der Schweiz wurde eine Frist gesetzt, bis zu deren Ablauf sie die geforderten Daten herausgeben soll – andernfall drohe die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die UBS in den USA. Kurz vor Ablauf dieser Frist, am 18. Februar 2009,[28] lenkte die UBS schliesslich ein. Auf Veranlassung der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA[26] gab sie die geforderten 250 bis 300 Kundendaten heraus und stimmte einer Zahlung von 780 Millionen US-Dollar als «Rückzahlung ungerechtfertigter Gewinne» (die in diesen Fällen auf rund 300 Millionen US-Dollar bei „hinterzogenen“ 18 Milliarden US-Dollar geschätzt werden) samt Strafaufauschlag zu.[29] Dass die FINMA in diesem Fall einen Verstoss gegen das Bankgeheimnis zuliess, begründete sie mit den Artikeln 25 und 26 des Schweizer Bankengesetzes, die bei «drohender Insolvenzgefahr» «Schutzmassnahmen» gestatten. Die Herausgabe der Kundendaten wurde daher als Schutzmassnahme vor einem Gerichtsprozess in den USA, der die UBS zu weitaus höheren Strafzahlungen verurteilen könnte, betrachtet.[26] Schweizer Medien und Politiker reagierten empört auf diese „Preisgabe des Bankgeheimnisses“ – die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete dieses Vorgehen am nächsten Tag als „Kapitulation im Steuerstreit mit den USA“.[26] Der Aktienkurs der UBS fiel am folgenden Freitag, den 20. Februar, um 14 % auf 11 CHF und am Montag darauf um weitere 9,1 % auf 10 CHF. Nachdem die Aktie am Dienstag erstmals unter 10 Franken schloss, erholte sich die Aktie in den folgenden Tagen wieder auf bis über 11 CHF, fiel aber am 5. März erneut auf ein Rekordtief von 9,52 CHF.[30]

Die Zahlung von 780 Millionen US-Dollar und die Herausgabe von 250 bis 300 Kundendaten wurde in den Medien oft als „Ausgleich“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um ein Deferred Prosecution Agreement. Dieses ist eine aussergerichtliche Einigung, bei welcher der Beschuldigte „eine gewisse Verantwortung für illegales Verhalten“[28] eingesteht, eine Busse bezahlt, Besserung gelobt und einer Beaufsichtigung zustimmt.[28] Im Gegenzug wird vorläufig keine Anklage vor Gericht erhoben, was für ein Unternehmen existenzbedrohend sein könnte (so brach die Revisionsgesellschaft Arthur Andersen in den USA 2002 aufgrund eines Gerichtsprozesses zusammen und Zehntausende Angestellte wurden entlassen[28]). Jedoch besteht diese Möglichkeit weiterhin, wenn der Beschuldigte im Verlauf einer von der Staatsanwaltschaft festgelegten „Bewährungsphase“ nicht ausreichend (nach Ermessen der Staatsanwaltschaft) mit der Staatsanwaltschaft kooperiert und sein rechtswidriges Handeln einstellt. Zudem droht die Staatsanwaltschaft mit der Veröffentlichung der Anklageschrift. Im Falle der UBS beträgt diese Phase 18 Monate. Am 20. Februar untersagte das Schweizer Bundesverwaltungsgericht die Herausgabe der UBS-Kundendaten, nachdem acht betroffene Bankkunden gegen die Verfügung der FINMA Beschwerde einreichten.[31]

An der Generalversammlung am 14. April 2010 in Basel war das Traktandum über die Entlastung des Verwaltungsrates für die Jahre 2007 bis 2009 intensiv diskutiert worden. Der Grund dafür war die riskante Wirtschaftspraxis, die vom damaligen Verwaltungsrat unter der Präsidentschaft von Marcel Ospel verfolgt und genehmigt wurde. Der jetzige UBS-Verwaltungsrat hatte sich bereits im Dezember 2009 entschieden, keine Klage gegen die damaligen Verwaltungsräte zu erheben. Eine Entlastung, Décharge genannt, die der Verwaltungsrat an der Generalversammlung beantragt hat, hätte die Verwaltungsräte in den Jahren 2007 bis 2009 vor Klagen geschützt. Vor der Abstimmung führten die Aktionäre eine emotionsreiche Diskussion, ebenso wurden kritische Stimmen gegen die Verwaltungsräte laut. Die Aktionäre stimmten schliesslich der Décharge des Verwaltungsrates für die Jahre 2009 und 2008 zu, jedoch verweigerten sie diese mit 52,75 % für das Jahr 2007. Damit sind die damaligen UBS-Verantwortlichen Marcel Ospel, Peter Wuffli, Marcel Rohner und Peter Kurer weiterhin vor Klagen nicht geschützt. Neu in den Verwaltungsrat wurde zudem der Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber gewählt.[32]

Hoher Verlust durch Handelsgeschäfte eines Mitarbeiters (2011)

Am 15. September 2011 teilte die UBS vor Börsenbeginn mit, dass ein Händler bei ungenehmigten Handelsgeschäften schätzungsweise zwei Milliarden Dollar (ca. 1,74 Milliarden Franken) Verlust verursacht habe. Es seien keine Kundenpositionen betroffen. Die Bank gab eine Gewinnwarnung für das laufende dritte Quartal heraus.[33] In London war wenige Stunden zuvor in der Nacht der 31-jährige UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli festgenommen worden.[34] Dieser wurde am 20. November 2012 von einem Gericht in London wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.[35] Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte noch am Tag von Adobolis Verhaftung, den 16. September 2011,[36] eine umfassende, unabhängige Untersuchung in Zusammenarbeit mit der britischen Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority (FSA) angekündigt.[37] Am 18. September 2011 bezifferte die UBS den Verlust auf 2,3 Milliarden Dollar (ca. 2 Milliarden Franken). Weiter gab sie an, dass der Verlust durch unautorisierten, spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, DAX und Euro Stoxx im Verlauf der letzten drei Monate entstanden sei. Dabei habe der Händler, der im Bereich «Global Synthetic Equity» in London arbeitete, die Risikolimiten überschritten. Dies habe er aber dadurch verdeckt, dass er Schein-Absicherungsgeschäfte getätigt habe, was zu einer Verfälschung der tatsächlichen Dimension des Risikos geführt habe. Nachdem die UBS-Kontrollstellen die Positionen des Händlers geprüft und Rückfragen an ihn gerichtet hätten, habe dieser am 14. September 2011 seine unerlaubten Aktivitäten zugegeben. Der UBS-Verwaltungsrat setzte einen speziellen Ausschuss ein, um zu den unerlaubten Handelsaktivitäten und deren Bezug zum Kontrollumfeld eine unabhängige Untersuchung durchzuführen.[38][39] Am 24. September 2011 übernahm der Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel die Verantwortung für den Vorfall und trat zurück.[40][41] Am 5. Oktober 2011 wechselte die UBS im Bereich Global Equities der Investment Bank die zwei Co-Leiter aus. Ausserdem wurden gegen weitere Mitarbeiter Disziplinarmassnahmen ergriffen.[42]

Kritik

1997 machte der bei der SBG angestellte Nachtwächter Christoph Meili die Vernichtung von Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus publik. Im selben Jahr richteten der Schweizerische Bankverein und die Schweizerische Bankgesellschaft zusammen mit der Credit Suisse auf internationalen Druck hin einen Fonds zur Entschädigung von Holocaust-Opfern ein. Den Banken wurde vorgeworfen, Guthaben im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar zu lagern, die deutsche Nationalsozialisten jüdischen Bürgern geraubt und in der Schweiz deponiert hätten.[43]


Wie andere Schweizer Banken wurden die Vorgänger der UBS für ihre Geschäftsbeziehungen mit Südafrika zur Zeit der Apartheid kritisiert. 2002 wurde in New York eine Klage von 91 Apartheid-Opfern gegen UBS, Credit Suisse und 20 weitere westliche Unternehmen eingereicht, die durch Zusammenarbeit mit Apartheid-Südafrika dessen Menschenrechtsverstösse unterstützt haben sollen. Die Klage wurde im November 2004 abgewiesen und befindet sich in der Berufung.[44]

Die UBS engagiert sich laut einer belgischen und einer niederländischen Nichtregierungsorganisation (NGO) in der Finanzierung von Unternehmen, die an der Entwicklung oder Produktion von Streubomben beteiligt sind. Dieses Engagement wird mit 465 Mio. USD beziffert.[45][46][47]

Mediale Rezeption

  • Der Fall. Wie die UBS in den Strudel der Finanzkrise geriet. Dokumentation, Schweiz, 2008, 50 Min., Buch und Regie: Hansjürg Zumstein, Produktion: SF, Link zum Video

Literatur

  • Dirk Schütz: Herr der UBS – Der unaufhaltsame Aufstieg des Marcel Ospel. Orell Füssli Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-28005261-7.
  • Christian Leitz: 150 Jahre im Bankgeschäft. UBS Zürich 2012. Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum der Bank. (Online, PDF-Datei). Der frühere UBS-Historiker Robert U. Vogel kritisiert die Festschrift, sie sei lückenhaft und schönfärberisch.[48][49]

Weblinks

 <Lang> Commons: UBS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  2. Geschäftsbericht 2011
  3. Wir über uns. In: ubs.com
  4. Policy Measures to Address Systemically Important Financial Institutions. In: Financial Stability Board (FSB) vom 4. November 2011 (PDF-Datei)
  5. Update of group of global systemically important banks (G-SIBs) vom 1. November 2012
  6. Schweizerische Bankgesellschaft, Eintrag im Handelsregister des Kantons Zürich
  7. Schweizerischer Bankverein, Eintrag im Handelsregister des Kantons Basel-Stadt
  8. Geschäftsbericht der UBS 2009
  9. Mario König: Interhandel. Die schweizerische Holding der IG Farben und ihre Metamorphosen – eine Affäre um Eigentum und Interessen (1910–1999). (PDF) ISBN 3-0340-0602-0
  10. ubs.com
  11. Geschichte von UBS, 1998
  12. Warum heisst UBS eigentlich nichts? In: Tages-Anzeiger, 11. November 2006
  13. UBS, Medienmitteilung vom 30. November 2004
  14. UBS: UBS stärkt ihre Kapitalbasis und passt Bewertungen an, Medienmitteilung vom 10. Dezember 2007, Zugriff am 27. Februar 2008
  15. NZZ, 27. Februar 2008
  16. Schweizer Fernsehen, Tagesschau, 27. Februar 2008
  17. UBS – Medienmitteilungen: Vorankündigung eines erwarteten Verlustes von ungefähr CHF 12 Milliarden im 1. Quartal 2008 (1. April 2008)
  18. UBS – Medienmitteilungen: Marcel Ospel steht zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat nicht mehr zur Verfügung, 1. April 2008
  19. „Finanzmarktkrise und Finanzmarktaufsicht“ (PDF) Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 14. September 2009 (siehe Seite 35/71)
  20. Medienmitteilung der Schweizerischen Nationalbank vom 16. Oktober 2008
  21. Medienmitteilung des Eidgenössischen Finanzdepartements vom 16. Oktober 2008
  22. UBS Pressebericht vom 16. Oktober 2008
  23. Schweizerische Nationalbank, Medienmitteilung vom 10. Februar 2009 (PDF)
  24. 20 Minuten online: UBS verdient auch mit Schrottpapieren Millionen
  25. Investor Releases vom 12. November 2008
  26. 26,0 26,1 26,2 26,3 26,4 Kapitulation im Steuerstreit mit den USA: Weitergabe von Kundendaten – Zahlung von 780 Millionen Dollar. In: Neue Zürcher Zeitung Online, 19. Februar 2009 (Printausgabe: 20. Februar 2009)
  27. UBS soll Konten von US-Kunden offenlegen. In: Financial Times Deutschland, 6. Juni 2008
  28. 28,0 28,1 28,2 28,3 A. R.: Juristisches Damoklesschwert über der UBS. Heikle Aspekte rund um Aufschub der Strafverfolgung in den USA. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2009, S. 19
  29. Klaus Bonanomi: UBS zahlt Strafe und gibt Kundendaten preis. In: Der Standard Online, 19. Februar 2009 (Printausgabe: 20. Februar 2009)
  30. cae.: Tagesgespräch an der Börse: UBS-Aktie fällt auf Rekordtief von 10 Franken – Banken überdenken Kaufempfehlungen für die Titel der Grossbank. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2009, S. 25
    UBS AG auf six-swiss-exchange.com, Swiss Market Index (SMI) (abgerufen 6. März 2009)
  31. APA/AP: Schweizer Gericht untersagt Herausgabe von UBS-Unterlagen. derstandard.at, 20. Februar 2009
  32. Aktionäre verweigern Décharge für Ospel und Co. In: NZZ Online, 14. April 2010
  33. Medienmitteilung in: UBS vom 15. September 2011
  34. UBS-Kontrolleure sollen Milliarden-Minus übersehen haben, Spiegel Online, 16. September 2011
  35. Urteil nach Milliardenverlust durch Spekulation: Früherer UBS-Händler wegens Betrugs verurteilt bei tagesschau.de, 20. November 2012 (abgerufen am 20. November 2012).
  36. Händler in London vor Gericht. In: faz.net vom 16. Februar 2011
  37. UBS-Handelsverluste: FINMA und UK FSA starten Untersuchung. Medienmitteilung in: Eidgenössische Finanzmarktaufsicht vom 16. September 2011
  38. UBS liefert mehr Details zu den unautorisierten Handelsgeschäften. Medienmitteilung vom 18. September 2011
  39. UBS-Chef Grübel will Verantwortung übernehmen in: NZZ Online vom 18. September 2011
  40. UBS-Chef Grübel gibt auf, Spiegel Online, 24. September 2011
  41. Sergio P. Ermotti zum Group CEO ad interim ernannt – Oswald J. Grübel tritt zurück. Medienmitteilung vom 24. September 2011
  42. Führungswechsel im Bereich Global Equities der Investment Bank von UBS. Medienmitteilung vom 5. Oktober 2011
  43. Bankwesen in: Microsoft Encarta
  44. Aktion Finanzplatz Schweiz: Südafrika / Apartheid-Entschädigungs-Klagen
  45. UBS und CS investieren in Streubomben in Schweizer Fernsehen vom 29. Oktober 2009
  46. Schweizer Banken stehen am Pranger wegen Streubomben. In: Basler Zeitung, 15. April 2010
  47. Worldwide Investments in Cluster Munitions – a shared responsibility. (PDF) NGO-Bericht über weltweites Streubomben-Engagements, Oktober 2009 (englisch)
  48. Res Strehle, Arthur Rutishauser: «Das grenzt an Geschichtsklitterung.» Interview in: Tages-Anzeiger vom 2. Juli 2012
  49. Arthur Rutishauser: Das schreibt die Bank zum Jubiläum. In: Tages-Anzeiger vom 1. Juli 2012






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