Merck KGaA

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Merck KGaA
Logo der Merck KGaA
Rechtsform Kommanditgesellschaft auf Aktien
ISIN DE0006599905
Gründung 1668
Sitz Darmstadt

Leitung

  • Karl-Ludwig Kley, Vorstandsvorsitzender
  • Rolf Krebs, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 40.676 (31. Dezember 2011)[1]
Umsatz 10,27 Milliarden Euro (2011)[1]
Branche Chemie- und Pharmaindustrie
Website www.merckgroup.com
Die Zentrale der Merck KGaA in Darmstadt.
V.l.n.r. Pyramide (Besucherempfang), „Grüner Turm“ von Friedrich Pützer (1905) und „Adlerhorst“ (Bürobereich des Vorstandsvorsitzenden)

Die Merck KGaA (in Nordamerika EMD) ist ein deutsches Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie mit Sitz in Darmstadt. Die heutige Merck KGaA ist völlig unabhängig von dem US-amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co., Inc. Beide Unternehmen sind aber auf die deutsche Industriellen-Familie Merck zurückzuführen, welche die Merck & Co., Inc. bis zum Ersten Weltkrieg als Tochtergesellschaft der Merck KGaA betrieb. Infolge des Krieges wurde die Merck & Co., Inc. durch Enteignung ein eigenständiges Unternehmen.

Die deutsche Merck verlor mit der Enteignung der US-Tochter auch die Rechte an dem Namen Merck in Nordamerika, und darf diesen dort nicht mehr verwenden. Daher tritt sie in Nordamerika unter dem Namen EMD (abgeleitet von Emanuel Merck, Darmstadt) auf. Auf der anderen Seite firmiert die amerikanische Merck & Co., Inc. in der übrigen Welt als Merck Sharp & Dohme (MSD).[2]

Die Merck KGaA, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, ist überwiegend in Familienbesitz. Über die E. Merck KG als Komplementär hält die Familie Merck rund 70 % des Gesamtkapitals. Die restlichen 30 % des Kapitals lauten auf die Aktien der Kommanditaktionäre. Seit 1995 werden die Aktien an der Börse gehandelt und sind seit dem 15. Juni 2007 im DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse vertreten.

Die Anfänge von Merck gehen bis in das Jahr 1668 zurück. Merck ist damit das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt.

Geschichte

Die Merck KGaA heute

Luftaufnahme des Stammsitzes von Merck in Darmstadt, aufgenommen aus südöstlicher Richtung
Die Hauptversammlung am 8. April 2011
Jon Baumhauer, Volker Bouffier, Angela Merkel und Karl-Ludwig Kley (v. l. n. r.) am 23. September 2010
Die Merck’schen Flüssigkristallforscher Matthias Bremer, Melanie Klasen-Memmer und Kazuaki Tarumi bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2003 durch Bundespräsident Johannes Rau

Für das Unternehmen sind rund 40.700 Mitarbeiter tätig, davon 10.900 in Deutschland und allein im Darmstädter Stammwerk etwa 8100. Dort findet auch die Hauptausbildung statt, mit zusätzlich ca. 520 Auszubildenden. In 24 Ländern mit 65 Standorten wird produziert. In 67 Ländern ist Merck weltweit mit 228 Gesellschaften (Stand Dezember 2011) vertreten. Seit 1995 werden die Aktien des Unternehmens an der Börse gehandelt. Die Kapitalmehrheit (ca. 70 %) der KGaA liegt bei der als Komplementär auftretenden E. Merck KG, die nach wie vor von der Familie Merck geleitet wird und die strategischen Leitlinien des Konzerns vorgibt. Das Kapital der E. Merck KG wird überwiegend von stillen Gesellschaftern gehalten, die der inzwischen weit verzweigten Familie Merck angehören. Die Merck-Familie hat 217 Mitglieder (Stand Oktober 2009). Davon bilden 130 die Gesellschafterversammlung, die wiederum den Familienrat bestimmt.[3][4] Der Familienrat ist das gesellschaftsrechtliche Gremium der E. Merck KG. In ihm werden die Mitglieder des Gesellschafterrates und der Vorstandsvorsitzende der Merck KGaA, sowie sein Stellvertreter bestimmt und Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung für das Unternehmen getroffen. Vorsitzender des elfköpfigen Gremiums ist Jon Baumhauer. Der Gesellschafterrat hat eine dem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft ähnliche Funktion. Er überwacht die Geschäftsführung der E. Merck KG und der Merck KGaA. Für wesentliche Geschäfte der KGaA bedarf es der Zustimmung durch den Gesellschafterrat, der zudem die Mitglieder der Geschäftsleitung der KGaA bestellt und abberuft. Im Gesellschafterrat sitzen sowohl Familienmitglieder, als auch externe Mitglieder, wie beispielsweise Rolf Krebs und Theo Siegert.[5] Vorsitzender des neun Mitglieder umfassenden Gesellschafterrates ist Frank Stangenberg-Haverkamp. Stangenberg-Haverkamp und Baumhauer sind Nachfahren in der elften Generation von Friedrich Jacob Merck und aufgrund ihrer Funktion die obersten Repräsentanten der Unternehmerfamilie Merck.[6][7]

Während in den vergangenen Jahren weltweit sehr viele Chemie- und Pharmaunternehmen sich konsequent auf ein Geschäftsfeld fokussiert haben – beispielsweise haben sich Degussa, BASF, DuPont und Altana von ihren Pharmaaktivitäten getrennt, während umgekehrt beispielsweise Roche, Boehringer Ingelheim und die Hoechst AG ihre Chemieaktivitäten verkauften – setzt die Merck KGaA weiterhin auf beide Standbeine Pharma und Chemie.[8]

Unternehmensbereich Pharma

Der Unternehmensbereich Pharma gliedert sich aktuell in zwei Sparten.

Merck Serono

Die Zentrale von Merck Serono in Genf

Der Schwerpunkt des Unternehmensbereiches Pharma sind Produktion und Vertrieb von Originalpräparaten auf den Gebieten:

  • Onkologie mit dem monoklonalen Antikörper (Erbitux / Cetuximab)
  • Neurologie (Rebif Interferon, Multiple Sklerose)
  • Diabetes (Glucophage, Metformin)
  • Schilddrüsenerkrankungen (Euthyrox / Levo-Thyroxin)
  • Herz-Kreislauf (Concor / Bisoprolol)
  • entzündliche Erkrankungen (Decortin / Prednison)
  • Gesundheit der Frau (Hormonsubstitutionstherapie)
  • Phenylketonurie (Kuvan / Sapropterindihydrochlorid)
  • Wachstumshormonstörungen (Saizen/Somatropin)
Forschungsschwerpunkt Onkologie

Der Schwerpunkt im Bereich Forschung und Entwicklung von Merck Serono liegt auf dem Gebiet der Onkologie. Merck arbeitet hier an der Entwicklung von Therapien, die zielgerichtet auf Krebszellen wirken, ohne gesunde Zellen zu schädigen. Die Entwicklungsprojekte nutzen das Potenzial von Immunologie, Biotechnologie und Molekularbiologie, um den Körper bei seinem eigenen Kampf gegen Krebszellen zu unterstützen. Das Ziel sind effektive Therapien, die verträglicher sind als andere zur Zeit verfügbare Therapiemöglichkeiten.

Merck forscht dabei auf vier Hauptgebieten:

  • monoklonale Antikörper, die das Krebswachstum blockieren
  • therapeutische Krebsimpfstoffe (Vakzine), welche die körpereigene Immunabwehr gegen Tumore mobilisieren
  • Immunzytokine, die Tumorzellen erkennen und eine lokale Immunantwort hervorrufen
  • Angiogenesehemmer, die Tumoren „aushungern“, indem sie von der weiteren Versorgung mit Nährstoffen abgeschnitten werden.

Mit diesen gezielten Behandlungsansätzen soll die Überlebenszeit der Patienten verlängert und ihre Lebensqualität verbessert werden. Zu den wichtigsten Entwicklungssubstanzen gehört der chimäre monoklonale Antikörper Cetuximab, das Tumorvakzin Stimuvax und der Angiogenesehemmer Cilengitid.

Consumer Health Care (Selbstmedikation)

Im Bereich Selbstmedikation werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente, sogenannte OTC-Arzneimittel, und Nahrungsergänzungsmittel produziert und vertrieben. Beispiele sind Nasivin, Bion3, Multibionta, Cebion, Kohle-Compretten, Femibion, Kidabion, Neurobion, Epamax und Kytta-Salbe.

Unternehmensbereich Chemie

Das Werk Gernsheim mit ca. 1000 Mitarbeitern
Luftaufnahme des Werkes in Gernsheim am Rhein

Im Unternehmensbereich Chemie hat Merck zwei Sparten: Merck Millipore und Performance Materials

Merck Millipore

Die Sparte Merck Millipore entstand im Juli 2010 nach Abschluss der Übernahme der US-amerikanischen Firma Millipore. In dieser Sparte wurden alle Aktivitäten von Millipore und große Teile der ehemaligen Merck-Sparte Performance & Life Science Chemicals zusammengelegt. Merck Millipore besteht aus drei Geschäftseinheiten (Business Units): Bioscience, Lab Solutions und Process Solutions. Die Geschäftseinheit Bioscience beschäftigt sich mit Lösungen und Reagenzien für die Proteinforschung und die Zellbiologie, Zellkulturlösungen, sowie Produkten und Dienstleistungen zur Entwicklung biopharmazeutischer Wirkstoffe. Laborchemikalien und andere Materialien für Forschung, Wissenschaft und Industrie, Produkte und Dienstleistungen zur Probenentnahme und Test-Kits für die Pharma-, Lebensmittel- und Diagnostika-Industrie, sowie Produkte, Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen rund um hochreines Laborwasser für Wissenschaft und Industrie sind der Tätigkeitsbereich von Lab Solutions. Bei Process Solutions stehen Produkte und Dienstleistungen für die Produktion von chemischen und biopharmazeutischen Wirkstoffen im Vordergrund.

Performance Materials

Liquid Crystals (Flüssigkristalle)

Merck ist im Bereich der LCD-Technik ein Pionier und der weltgrößte Hersteller von Flüssigkristallen, die für die Herstellung von LC/TFT-Displays benötigt werden. Der Weltmarktanteil liegt bei über 60 %. Das Unternehmen gilt damit als ein sogenannter Hidden Champion.[9]

Im März 2005 übernahm Merck die zum Avecia-Konzern gehörende Covion Organic Semiconductors GmbH. Das ursprünglich aus der Hoechst AG abgespaltene Unternehmen mit Sitz im Industriepark Höchst stellt organische lichtemittierende Materialien für OLEDs her. Das in Merck OLED Materials GmbH umbenannte Unternehmen ist Bestandteil der Flüssigkristallsparte. Zusammen mit einer Forschungs- und Entwicklungseinheit auf dem Gebiet der Polymerelektronik, die in Manchester angesiedelt ist, zahlte Merck für die Übernahme 50 Millionen Euro.

Am 2. April 2007 gab Merck bekannt, die OLED Materials GmbH abzuwickeln und das Vermögen auf die Merck KGaA zu übertragen. 100 Mitarbeiter wurden in die Sparte Flüssigkristalle integriert.[10]

Zu dem Bereich Liquid Crystals gehören auch Materialien für die Photovoltaik und die Beleuchtungsindustrie.

Pigments & Cosmetics (Pigmente und Kosmetik)

In diesem Geschäftsfeld sind alle Aktivitäten für Pigmente in Lacken, Druck- und Kunststoffanwendungen, im Bereich der Sicherheitstechnik (beispielsweise Fälschungsschutz), Pigmente für Anwendungen im Lebensmittel- und Pharma-Bereich, funktionale Materialien, sowie Kosmetikwirkstoffe und -pigmente gebündelt.

Gesellschaftliches Engagement

Einen Teil des unternehmerischen Gewinns spendet Merck für gemeinnützige gesellschaftliche Zwecke. Im Jahr 2008 waren dies knapp acht Millionen Euro, was 1,4 % des Ergebnisses vor Steuern in diesem Jahr entsprach.[11] Ein von diesen Mitteln gefördertes Projekt ist beispielsweise das Merck-Praziquantel-Spendenprogramm, bei dem Merck gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Bilharziose bei afrikanischen Schulkindern bekämpft. Merck stellt dabei seit 2007 für zehn Jahre insgesamt 200 Millionen Tabletten mit dem Wirkstoff Praziquantel, im Gesamtwert von 80 Millionen US-Dollar, kostenlos zu Verfügung. Damit können 27 Millionen Kinder behandelt werden.[12][13] Anfang 2012 gibt das Unternehmen bekannt, die Anzahl der jährlich gespendeten Tabletten mit dem Wirkstoff Praziquantel mittelfristig von 25 Millionen auf 250 Millionen zu verzehnfachen.[14]

Literatur

Weblinks

 <Lang> Commons: Merck KGaA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Wege ins Morgen. Geschäftsbericht 2011 der Merck KGaA vom 6. März 2012
  2. Merck KGaA: Der Name Merck. Abgerufen am 26. Oktober 2010
  3. S. Haas und H. Schwarz: Mächtiger Familienclan. In: Süddeutsche Zeitung vom 12. Juni 2006
  4. Merck-Strippenzieher – 400 Millionen in zwei Wochen. In: Manager Magazin vom 14. Juni 2006
  5. Gesellschafterrat der E. Merck KG. Abgerufen am 26. Oktober 2010
  6. W. Huber: Aufsichtsgremien der E. Merck OHG neu besetzt. Pressemitteilung der Merck KGaA vom 28. Juli 2004
  7. J. Salz u. a.: Merck setzt auf neue Medikamente. In: Wirtschaftswoche vom 16. Januar 2007
  8. H. Neukirchen und J. H. Wiskow: Tradition belastet. In: Wirtschaftswoche vom 4. Oktober 2006
  9. H. Simon: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts: Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus Verlag, 2007. ISBN 978-3-593-38380-4. S. 20.
  10. W. Huber: Merck KGaA übernimmt OLED- und Polymerelektronik-Aktivitäten von Avecia. Pressemitteilung der Merck KGaA vom 8. Februar 2005
  11. merck.de: Verantwortung für die Gesellschaft. Abgerufen am 29. Juni 2010
  12. merck.de: Bekämpfung der Tropenkrankheit Bilharziose. Abgerufen am 29. Juni 2010
  13. Merck und WHO beschließen Partnerschaft. In: Ärzte Zeitung vom 26. April 2007
  14. merckgroup.com: Merck verzehnfacht Tablettenspende, um Bilharziose auszurotten. Abgerufen am 12. Februar 2012
49.8974166666678.64875Koordinaten: 49° 54′ N, 8° 39′ O
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