HeidelbergCement

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HeidelbergCement AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0006047004
Gründung 1874
Sitz Heidelberg, Deutschland

Leitung

  • Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender
  • Fritz-Jürgen Heckmann, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 52.526 (Dezember 2011)[1]
Umsatz 12,9 Mrd. € (2011)[1]
Branche Baustoffe
Website www.heidelbergcement.com
BW

Die HeidelbergCement AG ist ein börsennotierter und im DAX gelisteter deutscher Baustoffkonzern mit Sitz in Heidelberg. Mit der Übernahme von Hanson im Jahr 2007 ist das Unternehmen der größte Zuschlagstoff- und der viertgrößte Zementhersteller weltweit geworden. Im Jahr 2011 erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 12,9 Mrd. Euro einen Jahresüberschuss von 534 Mio. €.[1]

Geschäftsfelder

Logo KS

Im Bereich Zement bietet HeidelbergCement Normalzemente, Sonderzemente beispielsweise für den Bau von Wasserbauwerken und Kläranlagen sowie Spezialbindemittel und Umwelttechnik für den Deponiebau und die Altlastensanierung an. Weitere Geschäftsfelder sind Zuschlagsstoffe wie Sand und Kies, Beton- und Kalkprodukte; das Geschäftsfeld Kalksandstein umfasst eine umfangreiche Produktpalette von Steinformaten und Zubehör.

Geschichte

Betonwerk in Lindenberg (Barnim)

Die HeidelbergCement geht zurück auf die in Heidelberg gelegene Bergheimer Mühle, welche am 3. Januar 1873 in einem Konkursverfahren von dem aus Mosbach stammenden Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker erworben und zu einer Zementfabrik umgerüstet wurde.

Am 5. Juni 1874 wird die Fabrik als OHG unter dem Namen Portland-Cement-Werk, Heidelberg, Schifferdecker & Söhne ins Handelsregister eingetragen, 1875 beginnt die Zementproduktion.

Am 18. März 1889 wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, es beginnt eine Phase der starken Expansion u.a. durch den Bau neuer Zementfabriken. 1901 fusioniert das Heidelberger Portland-Cement-Werk mit der Mannheimer Portland-Cement-Fabrik AG zur Portland-Cement-Fabrik AG Heidelberg und Mannheim AG. 1918 eröffnete man die Materialseilbahn Leimen–Nußloch welche das Werk mit dem benötigten Kalkstein versorgt.

Bis 1938 wurden zahlreiche weitere Zementunternehmen und Steinbrüche akquiriert (z.B. 1938 die Portland-Zement Blaubeuren Gebrüder Spohn AG) und das Unternehmen durch verschiedene Fusionen erweitert. Nun firmierte das Unternehmen unter Portland-Zementwerke Heidelberg Aktiengesellschaft. 1959 steigt das Unternehmen auch in die Transportbetonbranche ein. 1977 expandiert das Unternehmen nach Nordamerika und gründet dort Tochtergesellschaften. Nun werden auch weitere Branchen des Baustoffhandels erschlossen (Baustoffchemie, Dämmsysteme).

Staaten mit HeidelbergCement-Werken

1978 wird der Name des Unternehmens in Heidelberger Zement Aktiengesellschaft umgewandelt.

1993 Erwerb von 42,4 % der belgischen S.A. Cimenteries CBR, die 1999 komplett übernommen wird. In den 1990ern wird das Unternehmen zusehends internationalisiert, insbesondere durch Expansion nach Ostasien. Ebenfalls 1999 wurde der Baustoffhersteller Scancem in Schweden übernommen, wo das Unternehmen heute als Cementa firmiert. Ab 2001 wurde schrittweise der indonesische Zementhersteller Indocement unter Mithilfe der WestLB übernommen. 2002 wird das Unternehmen in HeidelbergCement umbenannt.

Anfang 2005 übernahm Adolf Merckle die Kontrolle des Unternehmens und setzte Bernd Scheifele als Vorstandsvorsitzenden ein; nach Abschluss eines öffentlichen Übernahmeangebots im Juli 2005 hält Spohn Cement und andere der Merckle Unternehmensgruppe zuzurechnende Aktionäre knapp 78 % der Anteile an HeidelbergCement.

Im Mai 2007 kündigt der Konzern die Übernahme des britischen Baustoffkonzerns Hanson für GBP 9,5 Mrd. (14,0 Mrd. Euro) an, die bis dato größte Übernahme im Baustoffsektor. Diese Übernahme wurde weitgehend durch Fremdkapital finanziert, aber auch durch die Platzierung des 35 %-Anteils an dem französischen Zementhersteller Vicat im Juni 2007, wodurch ein Erlös von rund einer Milliarde Euro erzielt wurde, und dem Verkauf der Baustofftochter Maxit für 2,13 Mrd. Euro im August 2007 an den französischen Wettbewerber Saint-Gobain.

Im September 2009 gab das Unternehmen eine kombinierte Kapitalerhöhung und Aktienumplatzierung bekannt, die dazu beitragen sollte, die Verschuldung des Unternehmens (mit Nettofinanzverbindlichkeiten von 11,3 Mrd. Euro zum 30. Juni 2009) durch die Platzierung von 62,5 Mio. neuer Aktien abzubauen und auch deren Hauptaktionär, die Merckle-Gruppe, durch die Platzierung von 57,2 Mio. alter Aktien zu entschulden. Damit reduzierte Ludwig Merckle, Erbe von Adolf Merckle, seinen Anteil deutlich von 72,4 % auf unter 25 %.[2]

Die HeidelbergCement AG wurde am 21. Juni 2010 in den DAX aufgenommen.[3]

Zementkartell

Im Jahr 2000 haben insgesamt 29 ehemalige Kunden, vertreten durch die belgische Aktiengesellschaft Cartel Damage Claims (CDC), eine Sammelklage vor Gericht, verbunden mit einer Forderung von mindestens 113 Mio. Euro Schadenersatz für die angeblich überhöhten Preise, eingereicht. Laut der Klägerforderung sei ein Schaden von mehr als 150 Millionen Euro entstanden. CDC wirft dabei dem Marktführer HeidelbergCement sowie den Firmen Schwenk Zement, Lafarge, Dyckerhoff, Cemex und Holcim vor, zwischen 1993 und 2001 als Kartell das Preisniveau in Deutschland entscheidend bestimmt zu haben und somit auch die Baupreise künstlich auf einem hohen Niveau gehalten zu haben. 2004 wurde die HeidelbergCement AG als einer der Hauptakteure im damals vom Bundeskartellamt aufgedeckten sogenannten Zementkartell mit einer Geldbuße von 252 Mio. Euro belegt. Dagegen hat das Unternehmen Rechtsmittel eingelegt. Zu beachten ist dabei, dass das Unternehmen bereits im Jahr 2000 mit einer Geldstrafe von ca. 3,5 Mio. Euro belegt wurde, weil es bereits seit 1983 mit 41 europäischen Zementfirmen aus 14 EU-Ländern sowie der Schweiz und Norwegen den europäischen Zementmarkt aufgeteilt hatte, und sich gegenseitigen Verzicht auf die nationalen Marktgebiete erklärt hatten. Diese Vereinbarungen wurden nach Überzeugung des damaligen EU-Wettbewerbskommissars Karel Van Miert, auch nach 1994 weiter geführt.

Kontroverse Tätigkeiten im Westjordanland

Im von Israel besetzten Westjordanland beutet HeidelbergCement über seine hundertprozentige Tochter Hanson Israel nach Ansicht israelischer Anwälte völkerrechtswidrig den großen Steinbruch Nahal Raba aus. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Panorama" vom 2. September 2010 und des ARD Studios Tel Aviv werden die abgebauten Bodenschätze nach Israel gebracht und kommen den Palästinensern nicht zugute.[4] Palästinenser aus dem Dorf az-Zawiya in unmittelbarer Nachbarschaft des Steinbruchs erheben Anspruch auf das Land. Die israelische Menschenrechtsorganisation Jesch Din fordert in einer Klage vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof die zu HeidelbergCement gehörende Firma und andere israelische Betreiber von Steinbrüchen im besetzten Gebiet auf, den Abbau im Westjordanland einzustellen.[5] HeidelbergCement und seine Tochterfirma Hanson Israel wollten sich laut Panorama zu den Vorwürfen nicht äußern, setzen aber den Abbau bis auf Weiteres fort.[4]

Wesentliche Beteiligungen

ENCI Maastricht (Niederlande)

Das Unternehmen verfügt über mehrere Beteiligungen. Diese sind unter anderen:

  • HeidelbergCement Sweden AB (HCSWE) (seit 2006)
  • S.A. Cimenteries CBR (CBR), Brüssel/Belgien (seit 1993)
  • CBR International Services S.A., Brüssel/Belgien (seit 1993)
  • Heidelberg Cement, Inc. (HCI), Wilmington/USA (seit 1977)
  • HeidelbergCement Central Europe East Holding B.V. (HCCEE), ‘s-Hertogenbosch/Niederlande (seit 1993)
  • Lehigh Cement Company (LEH), Allentown/USA (seit 1977)
  • HeidelbergCement International Holding GmbH (HCIH), Heidelberg (seit 1993)
  • HeidelbergCement Netherlands Holding B.V. (HCNETH), ‘s-Hertogenbosch/Niederlande (seit 2006)
  • PT Indocement Tunggal Prakarsa Tbk., Jakarta/Indonesien (seit 2001, 65,1 %)
  • ENCI Holding N.V. (ENCI), ‘s-Hertogenbosch/Niederlande (seit 1993)
  • HeidelbergCement Northern Europe AB (HCNE), Malmö/Schweden (seit 1999)
  • Lehigh Southwest Cement Company, Concord/USA (seit 1993)
  • CBR Baltic B.V. (CBRB), ‘s-Hertogenbosch/Niederlande (seit 1993)
  • Lehigh Cement Limited (LCL), Calgary/Kanada (seit 1993)
  • Carpatcement Holding S.A. (CAR), Bukarest/Rumänien (seit 1998)
  • Górazdze Cement S.A. (GOR), Chorula/Polen (seit 1993)
  • Scancem International ANS (SI), Oslo/Norwegen (seit 1999)
  • Duna-Dráva Cement Kft (DDC), Vác/Ungarn (seit 1989, 50 %)
  • HeidelbergCement Norway AS (HCN), Oslo/Norwegen (seit 1999)
  • Castle Cement Ltd, Birmingham/Großbritannien (seit 1999)
  • HeidelbergCement UK Ltd. (HCUK), Birmingham/Großbritannien (seit 1999)
  • Continental Florida Materials Inc., Fort Lauderdale/USA (seit 1999)
  • Norcem AS, Oslo/Norwegen (seit 1999)
  • Ceskomoravsk ´y Cement, a.s. (CMC), Beroun/Tschechien (seit 1991)
  • Hanson plc (seit 2007, gekauft für 14 Milliarden Euro)
  • Abetong AB (seit 1999)

Weblinks

 <Lang> Commons: HeidelbergCement AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 HeidelbergCement AG: Geschäftsbericht 2011. Abgerufen am 15. März 2012 (PDF).
  2. Stimmrechtsmitteilung vom 25 September 2009: 24,42 %
  3. H. Schwerdtfeger: Teure Einkäufe für Indexfonds. In: Wirtschaftswoche vom 21. Juni 2010.
  4. 4,0 4,1 Deutsches Investment: Raubbau im Palästinensergebiet, ARD-Magazin Panorama, 2. September 2010
  5. Erklärung von Jesch Din beim Obersten Gerichtshof in Israel. (englisch)
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